Lake Manyara Nationalpark

Die Tsetsefliegen sind hartnäckig und begleiten unser Fahrzeug an diesem Morgen auf dem Weg zum Parkeingang. Nach ungefähr einer Stunde Verfolgungsjagd hat Omary genug von den Viechern und steigt mit einem Tuch bewaffnet aus dem sicheren Auto aus. Heldenhaft kämpft er gegen die schwarze Übermacht, die am Auto klebt. Nach fünf Minuten hat er mehr oder weniger alle Fliegen verscheucht. Die ganze Aktion ist für ihn ziemlich schmerzhaft, denn er wird unzählige Male am Hals und Kopf gestochen. Dank seinem Einsatz können wir den Rest der Fahrt das Dach und die Fenster öffnen und so den letzten Teil wieder geniessen. Nach einer weiteren Stunde sind wir wieder am Gate und verlassen den ersten Nationalpark ein wenig traurig aber auch mit der Hoffnung das wir vor weiteren Attacken der Tsetsefliegen verschont bleiben. Da wir nach der letzten Nacht an ziemlichen Schlafmangel leide, nützen wir die Gelegenheit und schlafen die nächste Stunde bis wir in “Mosquito River”ankommen. Von hier aus ist es nur noch ein kurzes Stück bis zum Gate des Lake Manyara Nationalpark. Zum Glück sind wir aufgewacht. Das kleine Städtchen ist extrem spannend und die Szenen die sich ereignen sind zum schreien komisch. Überall sind Strassenverkäufer und hunderte von Mopeds die mit mindestens zwei Bananenstauden beladen sind. Ein wenig später sehen wir die ersten Reisfelder und haben eher das Gefühl in Asien zu sein als in Afrika. Am Gate angekommen, kümmert sich Omary wieder um die Papiere. Schon hat uns ein Mitarbeiter des Parks entdeckt und führt uns durch das Besucherzentrum. Er erklärt uns interessante Sachen zum Park und den Pflanzen und Tieren die darin leben. Nach einer halben Stunde ist die Führung vorbei und wir geniessen unsere Lunchbox aus dem Little Oliver’s Camp. Zum Glück haben wir uns ein wenig erholt und so können wir das Essen in vollen Zügen geniessen. Frisch gestärkt versuchen wir unser Glück und öffnen das Dach und die Fenster von unserem Toyota Land Cruiser und verschwinden im dichten Wald. Da die Löwen hier sehr gerne auf den Bäumen ihr Schläfchen halten ist dies natürlich unser Hauptziel für heute. Am Anfang sehen wir vor allem viele Vögel und Steppenpaviane. Auf einmal sehe ich etwas blaues oder graues im Baum vor uns aufblitzen. Mein erster Eisvogel (Graukopfliest)! Und dafür musste ich bis nach Afrika reisen. Mehrere Minuten beobachten wir den Vogel wie er mit seiner Beute kämpft.

Ein Teil der Strassen sind immer noch unter Wasser und so müssen wir immer wieder umkehren und uns einen anderen Weg suchen. Dies ist aber auf keinen Fall ein Nachteil. Auf diese Weise begegnen wir allen möglichen Tierarten und haben doch immer Zeit für einen längeren Stop für ein paar Fotos oder Beobachtungen.

Auch in diesem Nationalpark sehen wir vor allem Elefanten und Giraffen. Ein paar Zebras und Gnus sind auch dabei. Das Beste ist aber, dass wir keine einzige Tsetsefliege sehen! So fahren wir den ganzen Nachmittag abwechselnd durch einer Art Steppe und Djungel, immer in der Hoffnung eine Raubkatze auf einem Baum zu erspähen. Ich kann euch jetzt schon sagen, dass wir keine Katze gefunden haben, weder im Baum noch am Boden. Jedoch sind die Begegnungen mit den Elefanten heute umso intensiver. Wieder fahren wir einem ausgetrockneten Flussbett entlang und als wir am Ende ankommen, müssen wir wieder wenden und den gleichen Weg zurück fahren. Bei unserem Wendemanöver umkreisen wir einen kleinen aber dichten Busch. Als wir schon fast wieder weg fahren möchten, blicke ich auf einmal in ein faustgrosses Auge eines kleineren Elefantenbullen. Mir rutscht das Herz fast in die Hose und vor lauter Schreck und Freude lasse ich fast meine Kamera fallen. Gerade im letzten Moment bekomme ich sie zu fassen und fange sofort an zu fotografieren. Mist! Mit dem Tele bin ich zu nahe dran und bis das Weitwinkel montiert ist, wäre die ganze Szene vorbei. Schnell möchte ich ein paar Detail Aufnahmen der markanten Haut des Dickhäuters machen. Das Naheliegendste kommt mir natürlich erst am Schluss in den Sinn – das Auge. Nach diesem Foto möchte ich einfach den Moment geniessen. Ich habe das Gefühl, dass die Zeit stehen bleibt bis der junge Bulle gemächlich davon zieht. Was für ein Erlebnis, Auge in Auge mit dem grössten Landsäugetier der Welt.

 

Jetzt brauche ich erst einmal einen Schluck Wasser und fünf Minuten um das Erlebte zu verdauen. Keine zehn Minuten später am Ufer des Lake Manyara das nächste Bild, das ich mir nicht hätte besser wünschen können. Zwei Massai-Giraffen vor einer spektakulären Kulisse, dem Lake Manyara und im Hintergrund das Rift Valley. In diesem Land wirken die grössten Tiere der Welt wie Ameisen.

 

Schon wieder müssen wir uns allmählich auf den Weg zur Lodge zu machen. Die Zeit fliegt nur so an uns vorbei. Natürlich halten wir auch auf dem Weg zurück Ausschau nach Tieren im Wald. Wie vorhin schon erwähnt, haben wir keine Katzen gesehen, aber eine Elefantenfamilie hat und zum Abschied nochmals die Ehre gegeben.

Der perfekte Abschluss einer schönen aber ein wenig zu kurzen Pirschfahrt. Vom Park zu der Lake Manyara Serena Lodge sind es etwa 20 Minuten Fahrtzeit. Nachdem wir den kleinen aber steilen Pass überwunden haben, biegen wir rechts in eine typischen afrikanische Einfahrt ein. Nach fünf Minuten Rallye werden wir wie gewohnt mit einem kalten Fruchtsaft und einem warmen Jambo begrüsst. Wir verabschieden uns von Omary und wollen nur noch eins; ab in den Pool mit der Wahnsinns Aussicht. Im Zimmer steht eine kleine Überraschung vom Let’s Go Team bereit. Vielen Dank für den leckeren Kuchen! Das Wasser im Pool ist zwar nicht mehr so warm aber der Sand muss ja schliesslich irgendwie runter und die Aussicht ist einfach nur Spektakulär. Die Lodge ist ein komplett anderes Erlebnis als das erste Camp aber auch die Anonymität hat seine Vorteile und in dieser Nacht schlafen wir wieder wie die Murmeltiere.