Tarangire Nationalpark

Was für eine Nacht! Schon lange habe ich nicht mehr so gut geschlafen. Natürlich, der letzte Tag war anstrengend. Es war nicht nur das – ich habe schon eine Ruhe gefunden wie ich sie nur selten verspüre. Nicht, dass mein Leben extrem stressig wäre. Aber so ruhig wie hier in Afrika bin ich sonst nie. Frisch geduscht und gewaschen machen wir uns auf den Weg zum Frühstück. Mit mehr als genug Zeit schlendern wir durch die wunderschöne Gartenanlage der Lake Duluti Lodge. Auf dem Weg zum Restaurant begegnen wir schon den ersten Guides in ihren typischen Safarihemden. Wie sich später herausstellt, ist auch unser Fahrer für die nächsten zwölf Tage dabei. Nach einem Super-Frühstück mit vielen Früchten, Eier und Brot machen wir uns auf den Weg zu unserem Zimmer. Auf der Terrasse werden wir von Omary abgefangen, Wie alle Tanzanier, die wir bisher getroffen habe, ist er sehr freundlich und zurückhaltend. Wir besprechen kurz das weitere Vorgehen für den heutigen Tag .Ich kann es kaum erwarten, die ersten Tiere zu sehen. Ich will aber doch noch kurz den See in der Anlage sehen und deshalb bestimme ich den Weg zurück. Natürlich wissen wir wo unser Bungalow steht. Leider lässt uns dann aber unsere Orientierung im Stich und wir landen im Garten. Zwar erhalten wir eine Privatführung vom Gärtner und dies ist sicher nett gemeint. Wir würden aber lieber so schnell wie möglich in unser Zimmer zurück. Nach einer 20-minütigen Führung durch den Garten rennen wir so schnell wie möglich zu unserem Zimmer. Natürlich ist die ganze Ruhe wie weggeblasen. Jetzt schnell alles in den Koffer werfen und die Zähne putzen. Mit einem kurzen Spurt zurück zum Eingang wo unser Auto für die nächsten zwölf Tage bereit steht. Nachdem die Reisetaschen eingeladen sind, machen uns auf den Weg in Richtung Tarangire Nationalpark. Und zwar auf der letzten geteerten Strasse, die wir für eine lange Zeit sehen werden. Schon kurz nach Arusha machen wir in einem Souvenirshop halt. Nur kurz ein wenig rumschnüffeln und auf die Toilette gehen. Das Shoppen verschieben wir auf das Ende der Reise, es würde sowieso etwas kaputt gehen. Immer ungeduldiger möchte ich, dass es endlich weitergeht. Die erste Pirschfahrt wartet und ich halte es kaum mehr aus. Die nächsten 2 Stunden ziehen sich ewig hin und meine Freude als wir am Gate ankommen ist unbeschreiblich. Natürlich zeige ich das nicht so man(n) ist ja schliesslich schon erwachsen. Ich will mich zusammenreissen aber das gelingt mir dann doch nicht so ganz. Ich schlinge mein Essen runter und hoffe, dass meine Reisebegleiter dasselbe tun. Omary erledigt alle Formalitäten, während wir nochmals aufs Klo gehen. Noch schnell das Dach von unserem Land Cruiser öffnen und dann ab auf die erste Pirschfahrt. Nach 10 Minuten sehen wir die ersten Giraffen an einem kleinen See. Wow! Wie eindrücklich das ist. Kein Zaun, keine Mauer zwischen mir und dem höchsten Säugetier der Welt.

Nachdem die ersten Fotos im Kasten sind, sehen wir in der Ferne die erste kleine Elefantenherde. Die Elefanten haben es mir angetan, so mächtig und doch so zärtlich. Ein Erlebnis das sich noch oft wiederholen wird auf dieser Reise, aber jedes Mal ist es etwas Besonderes. Geht nach Afrika und geniesst diese wunderschöne Tiere solange sie noch existieren!

 

Unzählige Impalas kreuzen unseren Weg und selbstverständlich möchte ich ein paar Portraits von ihnen und ihren prachtvollen Hörnern machen.

Auch die ersten Primaten sind am späteren Nachmittag unterwegs. Ich kann mein Glück kaum fassen, als sich diese zwei Grünen Meerkatzen im schönsten Licht “küssen”.

So langsam machen wir uns auf den Weg zu unserem Camp für heute Nacht. Das Little Oliver’s eine Oase in mitten tausenden und abertausenden Tsetse Fliegen. Die gesamte letzte Stunde der Fahrt können wir nicht einmal das Fenster öffnen. Wir werden regelrecht aufgefressen von den Biestern. In circa 10-15 m Entfernung sehen wir das erste Löwen Weibchen auf einem Baum. Leider können wir unmöglich das Fenster öffnen um ein Foto zu machen oder etwas länger zu schauen. Die Stiche sind einfach zu schmerzhaft und die Luft zu stickig. Total genervt und müde werden wir im Camp begrüsst. Am liebsten möchte ich nur noch ins Bett und schlafen. Durch den unglaublichen Empfang von Julie und ihr Team vergesse ich die Torturen der letzten Stunde. Nach einem Drink können wir in unser Zelt und sind völlig hin und weg. Was für eine Ruhe dieser Ort ausstrahlt und das Zelt ist einfach perfekt. Die herrliche Außendusche rundet alles ab. So schön werden die etwas luxuriöseren Camps auch in allen Magazinen beschrieben. Den Abend stimmen wir gemütlich am Lagerfeuer ein. Nach einem erfrischenden Drink ist es Zeit für das Abendessen. Da wir die einzigen Gäste sind, essen wir alle zusammen. Reden und erzählen uns Geschichten, als würden wir uns schon ewig kennen und nicht erst seit fünf Stunden. Erschöpft von einem langen Tag, machen wir uns auf den Weg zu unserem Zelt und wollen so schnell wie möglich ins Bett.

 

Zuerst halten uns die Hyänen wach, die um das Zelt schleichen. Später unsere Mägen, denen wir heute etwas viel zugemutet haben. Nach einer kurzen Nacht versuchen wir uns wieder aufzurappeln und der frische Porridge schmeckt nicht nur hervorragend, sondern stärkt uns für den ganzen Tag. Der Abschied fällt mir so schwer, dass ich mich zusammenreissen muss, dass mir keine Tränen über die Wangen kullern. Wir haben uns von der ersten Minute an wie Zuhause gefühlt und deshalb kann ich gar nicht oft genug schreiben, wie dankbar ich bin, alle diese Menschen an einem Abend kennen gelernt zu haben. Wir kommen ganz sicher zurück – egal wie viele Fliegen uns jagen.